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Nun habe ich es schon mehrfach gelesen, gehört und sogar selbst geschrieben: das Wort intelligenter Film. In Foren und Blogs, in Rezensionen und auf DVD-Verpackungen wird die schlaue unter den Filmrollen als solche kenntlich gemacht. Doch was hat so ein *Kracher wie GREEN ZONE mit MEMENTO, AMERICAN HISTORY X, SCHINDLERS LISTE und PI gemein?
Vermutlich hat sich jeder Schreiberling was anderes dabei gedacht: hier ein unvorhersehbarer und spannender Plot, da eine noch nie gesehene Erzählweise; hier gut inszenierte Gesellschaftskritik (*oder auch nicht) und da irgendwas (sehr stimmungsvolles) mit Mathematik. -
Nimm in Einfachheit alles hin, was dir widerfährt.
A SERIOUS MAN hat fast nichts von alldem. Da sehen wir den Physikprofessor Larry Gopnik und sein beschauliches Leben in einer US-Kleinstadt der 1960er Jahre. Das nun auf ihn einbrechende, sich steigernde Unheil und dessen Folgen sind weder unvorhersehbar, noch frei von Längen. Mit einigen Ausnahmeszenen gibt es auch keine besonderes kritisches Projekt, auf dessen Fundament man eine moralische Ehrenstatue für den Film errichten könnte, und auch die gelegentlichen Einbrüche von Schrödingers Katze sind für das Verständnis erstmal nicht lebensnotwendig. Macht das den Film schlecht?
Mitnichten, denn in A SERIOUS MAN liegt "Intelligenz" - wenn man nun so will - woanders, nämlich in der geschickten Verstrickung und Inszenierung von Querverweisen, Zitaten, Anspielungen, Analogien; und insgesamt im Erzählen einer zweiten, abstrakten Geschichte auf dem Rücken der ersten. Denn hier lassen die Coens nicht irgendeinen Physikprofessor als einen modernen Hiob leiden, sondern den Juden Larry Gopnik, der Anfangs fest daran glaubt, dass die Mathematik ~"zeigt, wie die Dinge wirklich sind".
Das ergibt keinen Sinn! Entweder hat er den Umschlag dagelassen oder nicht. (Larry)
Dabei zeichnet sich der Film durch eine gelungene Stimmungskomposition aus: Vordergründig wohl eher Komödie lässt sich das Tragische aber nicht ganz davon trennen. Gerade dieses Händchen für Stimmungen ist nicht nur ein Ergebnis der Coen-Regie oder des Schnitts, sondern auch das Werk einer nahezu unbekannten Schauspielerriege, die durch die Bank absolut mitreißen kann.
Fazit: A SERIOUS MAN ist ein subtiles Werk ohne Zwang zur Unterhaltung, etwa durch einen auto-fesselnden Spannungsbogen. Stattdessen wird etwas Geduld oder zumindest Unvoreingenommenheit gefordert, um nicht in den durchaus vorhandenen Längen hängen zu bleiben. Insgesamt können und sollen vor allem die eigenen Gedanken unterhalten - dafür aber bieten die Coens genügend filmisches Futter, mit einem herrlichen Humor. 9 Punkte.
Es kommt hier viel jüdische Kultur (inkl. jiddische Sprache) vor. Einiges erschließt sich von selbst, aber anderes wird nicht erklärt. Zudem bringen die Coens zahlreiche Informationen quasi hinter dem Rücken des Zuschauers im Film unter.
Bsp.:
mit "Goi" werden u.a. alle Nicht-Juden bezeichnet;
im Albumnamen "Abraxas" von Santana (das Larry vehement ablehnt) steckt der Verweis zu Gott;
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