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Autorbewertung: 7 von 10 möglichen Punkten
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Titel: Anarchismus. Eine Einführung
Verfasser: Degen, Hans Jürgen; Knoblauch, Jürgen
Datum: 2006
Genre: Theorie, Einführung
Preis: 10 €

02.01.2010, 17:24 Uhr, von
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 Einführungen in ein Thema dienen dazu einen Überblick über die Geschichte, die Vordenker und den aktuellen Stand der Diskussion zu einen Gegenstand zu geben. Relativ einfach gestaltet sich das Vorhaben bei Einführungen zu einem bestimmten DenkerIn. Schwieriger wird es schon bei bestimmten Theorien, wo die Schwierigkeit mit der Homo- bzw. Heterogenität der Denkrichtung zusammenhängt. Einer der heterogensten Strömungen haben sich die Autoren Hans Jürgen Degen und Jochen Knoblauch zugewandt. Entsprechend beanspruchen sie für sich auch keine objektive und vollständige Darstellung des Anarchismus, sondern betonen, dass es sich um einen subjektiven Versuch handelt - ein relativ gelungener Versuch, meiner Meinung nach.
Das Buch lässt sich grob in drei große Abschnitte unterteilen, welche durch kürzere Kapitel – zur Kritik des Anarchismus oder zu aktuellen Entwicklungen – ergänzt werden. Im ersten Drittel werden die großen DenkerInnen jeweils auf einigen Seiten vorgestellt. Einer kurzen Biographie folgt eine ausführlichere Darstellung der Ideen der jeweiligen Person. Im zweiten großen Teil werden dann anarchistische Position zu verschiedenen Thematiken darstellt. Gemeinsamkeiten wie auch unterschiedliche Ansichten zu einzelnen Punkten werden herausgearbeitet. Der dritte große Abschnitt beschäftigt sich mit historischen Versuchen anarchistischer Praxis von der Pariser Kommune bis hin zum Spanischen Bürgerkrieg.
Das Buch bietet einen breiten Überblick über die Entwicklung und die Positionen des Anarchismus. Besonders gelungen sind dabei die historischen Abschnitte über die TheoretikerInnen sowie auch die Darstellung anarchistischer Praxis. Bei den Darstellung zu anarchistischen Positionen zu bestimmten Thematiken lässt sich sicherlich diskutieren. Vor allen die pazifistische Ausrichtung, welche wohl dem Hintergrund der Autoren entspricht, ist meines Erachtens nicht so konsensfähig unter AnarchistInnen, wie sie im Buch dargestellt wird. Nicht nur ein Blick in die Historie zeigt, dass AnarchistInnen durchaus nicht die Auseinandersetzung mit staatlichen Repressionsorganen scheuen, sondern auch ein Blick nach Griechenland macht es mehr als deutlich.
Ein weiterer Mangel ist auch die nicht sehr umfassende Darstellung zur heutigen anarchistischen Bewegung. Ein grober Überblick über den Stand in verschiedenen Ländern über Bewegungen, welche anarchistische Positionen vertreten sind – trotz der sicherlich bestehenden Diffusität, welche der Ablehnung von hierarchischen Strukturen seitens aller AnarchistInnen geschuldet ist – hätte dem Buch einen passenden Abschluss gewährt.
Als Einstiegs- und Überblicksliteratur ist dieses Buch sicherlich zu empfehlen. Abstrakte theoretische Abhandlungen sind in diesem Buch zwar nicht zu finden. Aber die einzelnen Abschnitte sind immer wieder durch spezielle gekenntzeichnete Orginaltexte ergänzt, so dass sich genügend Anregungen für eine tiefere Auseinandersetzung mit einzelnen DenkerInnen oder Positionen ergeben.
Bei der hier besprochenen Ausgabe handelt es sich um die die 1. Auflage von 2006 und nicht die durchgesehene 2. Auflage von 2008. Der Amzon-Link führt zur zweiten Auflage.
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