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Kommunist, Faschist, Amerikaner. Unpolitisch. Selbstverliebt? Betrogen? Selbst Schuld? In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts entsteht ein Film, der die Geschichte eines Bürgers erzählt: Citizen Kane. Er ist nicht wie du und ich, denn durch einen Zufall erhielt seine Mutter eine vermeintlich wertlose Mine, deren unendlicher Gold-Strom ihn von der verschneiten Hütte seiner Kindheit in die Großstädte der Thatchers brachte.
Statt mittellos im Niemandsland aufzuwachsen, soll aus ihm etwas werden. Und es ist ein Etwas aus ihm geworden: ein sympathischer und intelligenter Typ, der sich gegen seinen Vormund und Bänker Thatcher auflehnt, indem er sich aus dem ihm mit dem 25. Lebensjahr übertragenen Besitz die Zeitung The New York Inquirer herausgreift und sie von nun an mit spitzer linker Feder zusammen mit seinem mittellosen Freund Jedediah herausgibt.
Alles läuft wie geschmiert und dieser Teil könnte als geradliniger Kurzfilm veröffentlicht werden, der zeigt, wie die gesellschaftlichen Zustände von oben leichtfüssig mit richtiger Gesinnung und genügend Kapital verändert werden könnten. Doch dann ändern sich stattdessen die Bilder, wieder, eingestreute krampflachende Gesichter, sehr nah und ungeschützt, lange Einstellungen, unangenehme. Schon im Intro hat die Kamera Dinge gezeigt, die so gar nicht in den witzig voranschreitenden Kurzfilm passen wollen: den Tod Kanes und sein letztes Wort.
So wandlungsfähig der Film erzählt, so uneindeutig wird die Hauptfigur, die Regisseur Orson Welles selbst spielt. Seine Veränderung vom energiegeladenen Protagonisten des Kurzfilms zum gebannten Herren des Schlosses Xanadu ist bedrückend authentisch. Sie wird in Bildern gezeigt, die aufmerksam machen – ein Lachen, ein Warten, eine Blende, ein Schlitten im Schnee. Was ich sehe, ist schön und einfallsreich. Es sind einfache und einfachste Mittel, die ungemein wirken. Ja, sie sind irgendwie „verständlich“ und eröffnen Blicke in eine zigspältige Welt, in der Kane zu keinem Stillstand fähig ist.
Er ist wie du und ich. Citizen Kane ist ein Film über einen außergewöhnlichen Menschen, der entwurzelt ist. Er schlägt aus und der Strom reißt ihn wieder mit. Er sucht den Boden nicht, auf dem er steht – er macht ihn. Er ist der amerikanische Macher, nur die goldene Spitze der Pyramide des amerikanischen Traums ohne das Fundament des eigenen Wegs dorthin, ohne beständige Identität, uneingeschränkt darum bemüht. Wir sehen die Lust zur Identität und werden selbst mit ihr konfrontiert.
Ich glaube der Film kann auch heute viele Freunde finden, auch ohne das Vorwissen, dass dieser schon längst zum Klassiker erhoben wurde.
Ich hab den Film jetzt gesehen (Philosophen FSR sei dank) und fand ihn ganz nett, allerdings nicht wirklich überragend. Deswegen gibt es nur 7 Punkte.
Und die Macher haben keine Ahnung vom Kapitalismus – als ob Kapital von selbst aus der Goldmine strömen würde oder Wert an sich hätte. So ein Unsinn, die hätten mal Marx lesen sollen. Eigentlich ist es ja schade, dass der wirtschaftliche Aspekte von Kane nicht näher beleuchtet wird, allerdings bei dem Anfang war das wohl doch besser so.
stimme jedem wort der rezension zu, auch wenn ich’s nicht annähernd so gut ausgedrückt hätte. bin noch immer erstaunt, den hier überhaupt zu sehen.
bei den angesprochenen bildern fällt mir noch dieser raum mit irgendwelchem zeug ein, was er sich alles mal angeschafft hatte. als da die kamera über diesen "müllberg" schwebt, sieht es aus, als würde sie über die großstadt fliegen.
abends gemütlich in ruhe schauen ist hier nur nicht gar so die tolle idee, da solche alten filme keine weiche akustik kennen und laute szenen somit ad hoc ziemlich grell erscheinen. nach irgendeinem ruhigen, dunkleren bild wechselte das geschehen z.b. glaub ich zur nahaufnahme eines kakadu, dir direkt losbrüllt... und zwei sekunden später wieder weg war, als wäre nichts gewesen (fast so wie die tyler durden penis-einblendung in "fight club" .
und die schauspielerin, die seine zweite frau spielte (susan?), hatte zudem eine extrem schrille stimme wenn es zu (aggressiveren) unterhaltungen kam.
ich mag die erzählkunst, die immer wieder wechselt zwischen einer biographie und einer art doku-berichterstattung, wenn sie dem wort "rosebud" auf der spur sind. die ersten minuten des films sind ja sogar tatsächlich eine kurz-doku. nur die kurz auftauchende slapstick wirkte da etwas unpassend. ich weiß nicht mehr was es war, aber irgendwo hatte ich das gefühl gerade eine halb-lustige szene aus "die lümmel von der ersten bank" zu sehen.
John Marston schrieb am 06.10.2010, 16:20 Uhr:
noli_me_tangere schrieb am 06.10.2010, 16:07 Uhr:
jetzt hab ich grad ziemlich beunruhigende bilder eines gemeinsamen videoabends von uns drei vor augen
Der sähe so aus:
Ich bring das Bier mit, Taake lehnt ab und offeriert stattdessen politisch korrekte Vollwertkost und du pennst nach 30 Minuten ein!
noli_me_tangere schrieb am 06.10.2010, 16:07 Uhr:
jetzt hab ich grad ziemlich beunruhigende bilder eines gemeinsamen videoabends von uns drei vor augen
Der sähe so aus:
Ich bring das Bier mit, Taake lehnt ab und offeriert stattdessen politisch korrekte Vollwertkost und du pennst nach 30 Minuten ein!
Oh, da ich den Film auch nicht kenne, obwohl oft empfohlen, will ich dabei sein. Aber ich sitz still daneben, ohne Politik, Bier, dafür viel ungesunde Chips voll Glutamat für mich ganz alleine