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Autorbewertung: 10 von 10 möglichen Punkten
Userbewertung: 9 von 10 möglichen Punkten bei 15 gegebenen Stimmen.

Titel: Fight Club
Regisseur: Fincher, David
Datum: November 1999 (BRD)
Darsteller: .
Edward Norton (Erzähler)
Brad Pitt (Tyler Durden)
Helena Carter (Marla Singer)
Meat Loaf Aday (“Bob”)
Jared Leto (Angel Face)
Zach Grenier (Boss)
Rachel Singer (Chloe)
Thom Gossom. Jr. (Det. Stern)
Peter Iacangelo (Lou)
Joon B. Kim (Raymond K. Hessel)
Pat McNamara (Comm. Jacobs)
FSK: Keine Jugendfreigabe
Genre: Meisterwerke der Filmgeschichte

25.11.2008, 14:10 Uhr, von
Flammenzeichnung       
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Du bist einer von vielen, ohne Gesicht, definierst dich über deine Möbel, deine tollen Anzüge, deinen Job, den du hasst und moralisch nicht vertreten könntest, wenn du dich noch über so etwas wie Moral definieren würdest. Du weißt so wenig wer du bist, dass du dir selbst deinen eigenen Namen vorenthältst und dich noch wunderst, als du feststellst, dass der, an den du dich geklammert hast, der dich aus all dem tristen Dreck an Existenz hinausholte und dich dein Nichtssein in fanatischem Nihilismus zelebrieren ließ – dass du dieser jemand doch nur selbst sein kannst. Und dich sogleich als deinen größten Feind erkennst.
Du redest dir ein, es wäre alles einzig und allein ihre Schuld. Bevor sie da war, kamst du mit deinem wertlosen Leben klar. Gut, du konntest nicht schlafen und dachtest voll Selbstmitleid, du würdest draufgehen, aber nun weißt du, was wirkliches Leid bedeutet. Wie es sich anfühlt dein eigenes Blut zu schmecken. Dich so lange mit einem Wildfremden unter dem choralen Gejohle der Massen zu schlagen, bis du fast orgastisch in seine Arme fällst und dich an diesem Ebenbild an Sinnlosigkeit festhältst, als wäre es die Epiphanie in Person.
Und wann kamen die Bomben? Die Anschläge? Die stupide Horde Weltraumaffen, die dich anerkennend anschauen als seist du er und nach Befehlen betteln? Wann verstandest du ihn nicht mehr, fühltest dich ausgeschlossen aus diesem beinahe schon homoerotisch angehauchten Eheding mit ihm?
Und all dies war doch alles ihre Schuld. Du warst nicht todkrank, du wärst nicht gestorben, da hat sich nichts krankhaft und unaufhaltsam durch deinen Körper gefressen. Du bist keiner von den lebenden Leichen, in deren Armen du dich heimisch fühltest. Doch genauso wie sie hast du darauf gewartet. Gebetet, dieses verdammte Flugzeug würde abstürzen. Eigentlich war es eine Genugtuung, all deine schönen schwedischen Fließbandmöbel mit Anschein des Versprechens an Individualität in Flammen aufgehen zu sehen. Hinausgepustet durch die Glasfronten deines Appartements hinein in eine wie du gesichtslose Nacht.
 
Du hast keinen Tumor, keinen Blutkrebs, keine Parasiten. Aber wenn du einen Tumor hättest, dann würde er Marla heißen. Du hasst sie, weil sie genauso respektlos und zerstört ist wie du. Und du rennst ihr hinterher, so wie du ihm hinterher rennen wirst. Es ist so klar, dass sie sich kriegen. Er ist alles, was du sein willst, was du nicht bist. Nihilismus und Philosophie, Zerstörung und Erlösung. Er fickt sie, wie du sie ficken willst.
Marla. Der Beginn von Zerstörung und Revolution. Von Besessenheit und Selbstbetrug, der andere emphatisch befreit. Nur eines steht im Weg: Du. Und das wird dir bewusst. Dies alles, dein ganzes Leben enttarnt als Selbstgespräch, mit der Knarre im Maul. Und nur eines kann dich retten – der Wille sie um jeden Preis zu retten und ihr dieses elende Wrack an Selbstkomplexen bedingungslos zu schenken…
Eine Lovestory der etwas anderen Art nach der Romanvorlage von Chuck Palahniuk. David Fincher setzt diese sehr gekonnt und mit Liebe zum Detail in einen grandiosen Film um. Edward Norton nimmt die Rolle des namenlosen Protagonisten ein und fungiert wie im Buch auch als Erzähler, der die Handlung mit meist sehr trockenen und von düsterem Humor gekennzeichneten Off-Kommentaren untermalt. Ganz der zerrütteten Psyche des Protagonisten gemäß zeigt sich die szenische Gestaltung: Sequenzen sind auf das Essentielle reduziert, Zeitsprünge fügen sich dem trotz Retrospektive unschlüssigen Erzählfluss, Match-Cuts reißen den Protagonisten wortwörtlich aus einer Erinnerung heraus und in neue Szenen hinein… Helena Bonham Carter gibt eine wunderschöne, zerstörte Marla ab und auch Brad Pitt wird seiner Rolle als Tyler mehr als gerecht. Man merkt diesem Film deutlich an, wie durchdacht er ist und wie viel jeder einzelne an der Produktion Beteiligte sich in dieses Werk eingebracht hat. Es gibt schier unendlich viele Betrachtungswinkel, mit denen man diesen Film betrachten kann: Sei es der hier hervorgehobene Aspekt der Liebesgeschichte und der mit ihr verbundenen Unfähigkeit sich in der heutigen Zeit Nähe zu schenken oder die nihilistische Philosophie Tylers, die Konsumkritik, der Revolutionsaspekt, die befreiende Wirkung von Schmerz, die Faszination von (Selbst-)Zerstörung, die Abstumpfung und Gesichtslosigkeit im Alltag eines namenlosen Großstädters, der Mangel eines aktuellen Männlichkeitsbildes…
Fight Club ist ein zeitloser Film. Eine gekonnte Charakterbeschreibung unserer Zeit. Jeder wird sich in dem ein oder anderen Aspekt dieses Films wiedererkennen und, so er dazu bereit ist, sehr viel für sich mitnehmen können. Von gekonnter Unterhaltung bis zu harscher Selbstkritik lässt sich hier alles finden. Vielleicht sogar die persönliche Epiphanie im immer und immer wieder Beobachten dieser Figuren, die so wunderschön, so nah geworden sind – und so sehr Teil des eigenen zerklüfteten Seins.
Anmerkung der Redaktion: Der Amazonlink führt zur 2-DVD Special Edition im Steelbook, die für die Rezension verwendet wurde. Auf diese bezieht sich auch die FSK-Angabe.
Wir danken Kinowelt für das freundliche Überlassen des Bildmaterials.
Wer eine weitere Meinung lesen will kann hier schauen:
http://www.resurrection-dead.de/inhalt.php?nr=133&h=80&sort=&a=20&l1=20&ar=1104
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