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Titel: Ist der Wald endlich tot? Best of Aufklärung 2.0
Verfasser: Müller, Andreas
Datum: September 2011
Genre: Satire
Preis: 2,99€
23.10.2011, 17:36 Uhr, von
Winterkind, KSC      
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 Herbst ist da, der Winter droht, die Bäume sterben lauter. Der Müller hat ein Buch gemacht; auf viele Dinge haut er mit Worten voller Spott nun ein, doch gibt es wohl auch Themen? Das Christentum und den Islam wird immer er verfehmen. Mit Ökokram und Marxgewort wird lustig aufgeräumt wie etwa, wenn in Stuttgart man für Bäume sich aufbäumt. Dann war da Feminismus noch, der in sich selbst verschränkt, wenn er sein Anliegen vergißt, die Menschenwürde kränkt. Wenn Wissenschaft zum Fluchwort wird, so ist Herr Müller nah und gibt mit höchster Geisteskraft Verteidigung ihr dar. Am Anfang aber: Israel. Um der Einleitung wegen das kleine Land behandelt wird (als Einz'ges nicht dagegen).//
Um dem Gegenstand der Rezension gerecht zu werden und bevor jemandem vom Metrum schlecht wird, sollte ich jetzt wohl besser in Prosa weiter machen. Vielleicht erinnert sich das eine oder andere noch entfernt an Terry Rotter und/ oder an Das Prometheus Trio [sic!], wo ich schon einen Link auf den Feuerbringer-Blog gesetzt hatte. Noch vielleichter ist jemand diesem Link gefolgt und hat so schon Bekanntschaft mit dem Autor gemacht, der mittlerweile zum Magister der Gemanistik geworden ist.
Jetzt kann man natürlich - und vermutlich mit Recht - fragen: "Moment mal: Warum sollte ich für ein Best-of auf drei bis sechs Kugeln Eis verzichten und etwas bezahlen, das ich im Internet auch gratis bekomme?" - Nunja, einmal wird es gerade etwas kalt für Eiscreme (außer für die Wikinger unter uns), und dann, wie das bei Best-Ofs so ist, wurde das Material neu bearbeitet und um einige Exklusiva und Gastbeiträge ergänzt. Die Texte sind thematisch sortiert und erstrecken sich von Israel über Feminismus, Marxismus, Wissenschaftsfeindlichkeit, Ökologismus, und Islam bis zum Christentum, wobei der Islam aus irgendeinem Grund den meisten Platz beansprucht.
Am Anfang stehen, wie bereits erwähnt, drei Texte zu Israel und dem Nahost-Konflikt, wovon der erste als Einleitung gemacht ist. Und die halte ich für besonders empfehlenswert, einmal der Thematik wegen, und dann auch -- Aber hier lasse ich ihn mal besser selber zu Wort kommen:
"Ich beginne dieses Buch mit ein wenig Philosophie, damit Sie wissen, wo all die Urteile herkommen, die in den folgenden Beiträgen wie Feuer und Schwefel auf die Leser herabregnen werden." |
Mit anderen Worten: Wir bekommen einen Einblick in Andreas Müllers Denkmethodik und dieser beginnt mit einer Verteidigung der beiden Zuschreibungen "gut" und "schlecht".
"Wenn Sie ein normaler Mensch sind, dann ist Ihnen das wahrscheinlich sowieso bereits klar. [...] Wenn Sie [aber] Studenten und Studierten gegenüber irgendein klares Urteil abgeben, können Sie sich darauf verlassen, dass man Sie auslachen wird. Zum Beispiel: ´2+2=4`. Reaktion: `Haha! Das ist eine derart naive Weltsicht, ein so simples Schwarz-Weiß-Weltbild! Als ob `2+2` einfach ´4´ wären! Das hängt doch von Definitionen ab [...] das ist nur eine mögliche Perspektive, ...´ Das ist George Orwells späte Rache, wie ich das sehe. [...] Philosophen wird es vielleicht helfen, wenn ich sage, dass ich ´Objektivist` bin. Ein Objektiv ist ist jemand, der nicht an Gott glaubt, und trotzdem eine Moral hat." |
Harte Worte, schöne Stunden. Selbst, wenn man nicht in allem mit ihm d'Accord geht. Beim Lesen fällt immer wieder auf, dass Herr Müller, wenn er agumentiert, seine Argumente nicht aus der leeren Luft greift, sondern sich mit einem Thema intensiver beschäftigt, Informationen einholt und Abwägungen macht, bevor er sich äußert. Passend dazu haben wir im Anhang auch eine vollständige Liste der zitierten Quellen.
In den Satiren selbst bedient sich der Autor unterschiedlicher Stile. Es werden Berichterstattungen auseinander genommen ("Ein rechter Freizeitpark für Supermodels" ), Pressetexte parodiert ("Stephen Hawking ist voll der Blödmann" ), es wird argumentiert ("Willkommen im Jurassic Park" ) und meine persönliche Lieblingsvariante der Satire, die absurde Erzählung, ist sehr stark vertreten, etwa über das wunderhübsche WieWaWunderland, in das man gerät, wenn man aus der Kirche austreten möchte oder das "Interview des Mitternachsmaganzins-Moderators mit dem wallischen Theologen Josephus Ali" ("Missverständnisse" ). Hier fühle ich mich stellenweise ziemlich an Ephraim Kishon erinnert.
Außerdem bekommen wir mit "Auszug aus Ägypten (Director's Cut)" und dem "Anti-Romantiker" einige ganz alte Texte von Andreas Müller zu Gesicht und im Übrigen bei einigen Satiren trotz (oder gerade wegen) der guten Schreibweise ob der Thematik einen ziemlichen Kloß im Hals.
Was bleibt da noch zu sagen? Ach ja: Mangels Verlag ist das Buch in kompletter Eigenarbeit als E-Book erschienen und nach meiner Kenntnis daher nur bei Amazon erwerbbar. Tut man dies, so muß man sich nicht extra auch noch den amazonischen E-Reader zur Lektüre anschaffen, sondern kann die Datei auch mittels einer kostenlosen Software auf dem Rechner öffnen.
Wer also Amazon absolut nicht ausstehen kann, hat leider Pech gehabt, allen anderen wünsche ich viel Vergnügen und erhellende Momente beim Lesen.
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