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Autorbewertung: 8 von 10 möglichen Punkten
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Name: John Adams
Idee: Ellis, Kirk
Episodennummer: 01-07
Darsteller: Paul Giamatti, Laura Linney, Stephen Diliane, David Morse, Tom Wilkinson, Rufus Sewell, Sarah Polly, Eben Moss-Bachrach,
Genre: Historienserie
Staffeln: 1
Original: John Adams
Länge der Episode: insg. 8 h
Produktionsjahre: 2008

05.02.2012, 22:38 Uhr, von
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 Der amerikanische Anwalt John Adams war einer der Gründungsväter der Vereinigten Staaten und wurde der zweite Präsident jener jungen Nation. Der politischen Lebensgeschichte, soll heißen dem Leben Adams nach Eintritt in die Politik, widmet sich eine 2008 entstandene HBO Serie, welche auf der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Biographie von David McCullough basiert. In sieben Episoden wird Adams von seinem Einstieg ins politische Leben bis hin zu seinem Tod im Jahre 1843 begleitet und somit zugleich die Geschichte der ersten 50 Jahre der amerikanischen Nation erzählt.
In der Serie werden dafür nicht einzelne historische Ereignisse aneinandergereiht, sondern vielmehr wird der Fokus auf die politischen Diskussionen jener Zeit gelegt. Die einzelnen Ereignisse, wie die Boston Tea Party oder im späteren Serienverlauf bestimmte Schlachten, werden eher nebenbei erwähnt und in ihren politischen Auswirkungen gezeigt, anstatt sich in den Effekten des Ereignisses zu verlieren. Dabei wird auch die Dynamik der politischen Geschehnisse deutlich, welche mit dem Konflikt um eine Repräsentation der amerikanischen Kolonien im britischen Parlament beginnt. Eben diese Repräsentation wird den dreizehn Kolonien vom britischen König verwehrt, obwohl sie mit Steuern belegt werden. Ein Zustand, der dem liberalen Zeitgeist jener Zeit, also der Vorstellung einer auf einem gegenseitigen Vertrag gegründeten Gesellschaft, absolut widerspricht.
Dieser Zeitgeist und der ihm inhärente emanzipatorische Anspruch werden in den politischen Diskussionen im Vorfeld der Unabhängigkeitserklärung – dem wohl eindrucksvollsten Dokument des Liberalismus – deutlich dargestellt. Zugleich sind sich die Akteure der politischen Tragweite und geschichtlichen Relevanz ihrer Handlung bewusst, welche über Darstellung der Diskussionen in der Serie auch für den_die Rezipierenden hervorgehoben wird. Die Rechte des freien Mannes werden explizit über die Rechte der Monarchen gestellt. Ein Schritt, welcher wenige Jahre später in Frankreich, mit der Guillotine, in die Tat umgesetzt werden sollte.
Aber, um diese Rechte auch verwirklichen zu können, musste zunächst der Krieg gegen Großbritannien, welcher durch die Unabhängigkeitserklärung der Kolonien erfolgte, gewonnen werden. Dazu waren Verbündete notwendig, was John Adams an den französischen Hof am Vorabend der Revolution bringt. Hier wird die Zukunft der Vergangenheit quasi direkt gegenübergestellt. Der liberale Politiker Adams, der von der Wichtigkeit seiner Mission für die Zukunft seiner jungen Nation und der Weltgeschichte überzeugt ist, gerät schnell in Konflikt mit den französischen Gegebenheiten, in denen alles, auch die Politik, eher dem Zeitvertreib der Adligen dient. Eine Gegebenheit, welcher der ebenfalls anwesende Benjamin Frankling weit besser zu handhaben weiß.
Nach Ende des Unabhängigkeitskrieges richtet sich der Fokus der Serie stärker auf die innenpolitischen Konfliktlinien. Sehr schnell sticht dabei der Konflikt zwischen jenen hervor, die jetzt, wo sie selbst der Staat sind, einen nach innen und außen mächtigen Staat wollen und jenen, die an den revolutionären Ideen festhalten und den Staat soweit wie möglich beschränken wollen. Erstere nennen sich die Federalists, welche unter den ersten Präsidenten George Washington und John Adams als ersten Vizepräsidenten und späteren Präsidenten die Oberhand behalten. Letztere werden Republicans genannt und von Thomas Jefferson, dem Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung, angeführt. Die Federalists orientieren sich stark am britischen Modell und schlagen sich auch auf Seite der britischen Krone im englisch-französischen Krieg in Folge der französischen Revolution; während letztere sich auf die Seite der französischen Revolution (vor Napoleon) stellen. Anhand der beiden Positionen wird die ganze Ambivalenz des Liberalismus sehr deutlich gemacht. Auf der einen Seite sein Umschlagen in Konservatismus, nachdem er erst mal zur Macht gekommen ist; auf der anderen Seite seine weiterhin bestehenden emanzipatorischen Aspekte, welche aber den in ihm begründeten Interessen widerstreben und von diesen in ihrer Radikalität beschnitten werden – besonders offensichtlich anhand der Frage der Sklaverei oder Rolle der Frau, welche in der Serie wiederholt angesprochen werden.
Bei knapp 50 Jahren Handlungszeit, welche in acht Stunden Spielzeit der Serie untergebracht wurden, ergeben sich natürlich einige Sprünge in der Handlung und viele weitere Konflikte und geschichtliche Ereignisse wurden nicht berücksichtigt – vor allem die Expansion der amerikanischen Nation wurde vollkommen ausgeblendet. Der Fokus der Serie liegt ganz klar auf der historischen Aufgabe des Liberalismus: der Überwindung des Monarchismus und Etablierung eines auf den Naturrechten des Menschen begründeten Staates. Diesem Anspruch wird die Serie gerecht, auch wenn es durch diesen Fokus zu erheblichen zeitlichen Sprüngen in der Handlung kommt, welche dadurch, dass nur am Anfang einer Episode eine Jahreszahl eingeblendet wird, teilweise schwer zu folgen ist.
Verstärkend kommt zum Ritt durch die Geschichte hinzu, dass John Adams als Handlungsträger dient und folglich seiner familiären Situation Raum gegeben wird und ebenso wie seinen Freundschaften zu anderen amerikanischen Gründungsvätern. Diese Freundschaften verleihen den oben angeführten politischen Diskussionen ein Gesicht und verdeutlichen die verschiedenen Standpunkte innerhalb des Liberalismus.
Im Mittelpunkt der Familiensphäre steht Abigail Adams, welche ihren Mann aus dem Hintergrund unterstützt, berät und sich ebenso um die vier Kinder kümmert. Sie bildet neben John Adams den zweiten Stützpfeiler der Serie. Entsprechend ist die schauspielerische Leistung von Paul Giamatti als John Adams und Laura Linney als Abigal zu würdigen, da sie die Serie im Grunde tragen. Ebenso wie die Auswahl der Darsteller_innen für die Hauptcharaktere gelungen ist, ist auch die historische Verankerung der Personen als äußerst überzeugend zu bezeichnen, welche vor allem in der Familiensphäre hervorsticht. Die Personen in der Serie sind keine hochgestylten Kunstfiguren, sondern ihre Haut ist fleckig, die Perücken sitzen nicht immer ganz perfekt und beim Lächeln offenbaren sich in einigen Szene schwarze vergammelte Zähne. Diese Zustände werden dabei nicht als Ausnahmen dargestellt, sondern im Wesentlichen als Normalität in einer Zeit anderer hygienischer und medizinischer Zustände, wo unter anderem noch ohne Narkosen operiert wurde.
Wie nicht anders zu erwarten, kommt es natürlich zu einigen kleinen historischen Unkorrektheiten in der Handlung (anscheinend an den Stellen, wo von der Buchvorlage abgewichen wurde – eine Übersicht der historischen Fehler findet sich in der englischen Wikipedia). Trotz dieses Mangels kann die Serie aber durchaus empfohlen werden, um sein (Schul-)Wissen um die amerikanische Revolution und ihrer historischen Bedeutung aufzufrischen und bildlich werden zu lassen.
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