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Titel: Mit geballter Faust in der Tasche
Verfasser: Kuhn, Gabriel (Hrsg.)
Datum: 2009
Genre: Broschüre
Preis: 2,50 €
24.04.2011, 22:56 Uhr, von
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 Wer immer sich schon einmal in linken Dunstkreisen bewegt hat, dem_der wird die Dominanz von Menschen aus bürgerlichen Schichten aufgefallen sein. Egal wie hoch die Fahne der Arbeiter_innenklasse gehalten wird, eben jene befinden sich fast immer in der Unterzahl. Selbst bei den Chaot_innen im Schwarzen Block scheint der Anteil der Akademiker_innen, also der Nicht-Arbeiter_innen, mindestens so hoch zu sein wie im Bundestag (dort mehr als zweidrittel der Abgeordneten). Aber wie beurteilen Menschen aus der Arbeiter_innenklasse, welche in einem weiten Verständnis nach wie vor die Mehrheit der Bevölkerung stellen, diese Situation?
Vor drei Jahren erschien in Schweden ein Buch mit dem Titel En knuten näve i fickan (Eine geballte Faust in der Tasche), welches sich mit der Problematik, der geringen Zahl von Arbeiter_innen in der Linken, auseinander setzt. Dieses Buch, welches ein Projekt von linken Arbeiter_innen war, lässt eben jene in Unterzahl zu Wort kommen. Linke Arbeiter_innen schildern ihre Erfahrungen und ihre Sicht der linken Szene von einer Innenperspektive aus. Dabei wird nicht gespart mit Kritik an jenen Mittelklasse-Linken, für die der politische Kampf teilweise nicht mehr als eine Lebensphase ist und welche sich entsprechend danach wieder in die bürgerliche Welt verabschieden. Diese Verabschiedung ist für linke Arbeiter_innen nicht möglich, ihr Wohl ist unmittelbar verknüpft mit dem politischen Kampf.
Trotz dieses fundamentalen Interesses werden ihnen von der linken Szene, oft nicht reflektierte und unnötige, Hürden in den Weg gestellt. Um in der Szene ernst genommen zu werden, ist ein bestimmter Habitus notwendig, welcher im bürgerlicher Milieu selbstverständlich ist, sich aber erst mühsam angeeignet werden muss, sofern mensch nicht diesem Milieu entstammt. Selbst nach der Aneignung wird dieser nie selbstverständlich sein, da die Erfahrungen der proletarischen Herkunft nicht abgelegt werden können und dies auch nicht Ziel sein kann, da für den politischen Kampf eben diese Erfahrungen wichtig sind. Erfahrungen, welchen in der Linken, trotz aller Affinität zur Arbeiter_innenklasse, wenig Beachtung geschenkt wird. Auf diese Problematik hinzuweisen ist das Ziel des Buches.
In der beim Syndikat-A erschienen Broschüre sind einige Texte des Buches aus Schweden in deutscher Sprache abgedruckt. Diese werden gerahmt von einer Einleitung vom Übersetzer, einem kurzen – relativ nichtssagendes – Interview mit den Herausgeber_innen des Buches und dem Abdruck mehrerer Reaktionen aus der linken Szene zum Buch. Dabei nimmt der Rahmen allerdings fast genauso viel Platz in der Broschüre ein wie die übersetzten Texte. Dabei stellen gerade die Texte das interessanteste an der Broschüre da und liefern einen notwendigen Beitrag zur Diskussion des Klassismus: der Benachteiligung aufgrund der Klassenzugehörigkeit, welche auch der radikalen Linken hier gut tun würde. In dem Sinne kann die vierzig Seiten dicke Broschüre durchaus empfohlen werden, auch wenn zu hoffen bleibt, dass irgendwann nochmal das ganze Buch übersetzt wird.
Die Broschüre kann bezogen werden über: www.syndikat-a.de
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