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Ich liebe alte Western. Dies beschränkt sich jedoch auf eine ganz bestimmte Kategorie, denn außer Spaghetti-Western kommt mir nichts ins Haus und somit sind all die stinklangweiligen, unterirdisch schlecht gespielten, amerikanischen Filme in meinem Player absolut nicht gern gesehen. Dies könnte daran liegen, dass sie konstant frei von Bud Spencer und/oder Terence Hill sind oder viel zu oft mit John Wayne bestückt werden, doch der Hauptgrund liegt im fehlenden Charme. Amerikanische Western sind so emotionslos wie eine vulkanische Ehe und daher ebenso unspannend. Wenn man dann eben noch John Wayne in die ganze Suppe würfelt, ist der zelluloide Durchfall vorprogrammiert. Der Mann kann nicht schauspielern und wer etwas anderes behauptet, hat keinen Plan (schlagendes Argument, ich weiß). Der einzige Grund, warum diese Type so erfolgreich war, ist der Umstand, dass er schlicht als Bild des waschechten (amerikanischen) Mannes herhalten konnte. Egal in welcher Rolle und egal ob in einem Western oder meinetwegen einem Film über den Zweiten Weltkrieg, er ist stets “The Man“ und hat - wenn möglich - auch noch eine Zigarre in der Schnute. Der Typ war quasi der Malboro Man bevor es den Malboro Man überhaupt gab. Eine Heldenfigur zum Aufsehen. So wurde er von den Amerikanern vermarktet und so haben ihn die Deutschen gekauft und angenommen.
Warum fang ich überhaupt von dem Typen an? Nun, 1969 erblickte TRUE GRIT (nach dem gleichnamigen Buch) das Licht der Filmwelt und in der Hauptrolle? John Wayne. Da der Kerl nicht mal gut genug für die ganzen “wayne interessiert’s“-Sprüche ist, dürfte seine Darstellerleistung in dem Film nicht schwer zu erraten sein. Sie ist schlecht. Zu seiner Verteidigung sei aber gesagt, dass nahezu alle Figuren in diesem Film gesichtslos spielten, als würden sie von einer Tafel ablesen. Und die Rolle des 14-jährigen Mädchens bekam eine katastrophal mimende, 22-jährige(!!!) Kim Darby, die noch dazu aussah wie ein Junge. Wäh…
Zwar gab es in den Folgejahren immer mal wieder einen Film zu diesem Grundthema (und vermutlich auch immer mit John Wayne in der Hauptrolle), aber erst 2010 wurde eine Verfilmung veröffentlich, die es auch Wert war, dass man sie überhaupt beachtet… obwohl es ein amerikanischer Western ist.
Die Story handelt von der 14-jährigen, dickköpfigen Mattie Ross (gespielt von der zum Drehzeitunkt 13-jährigen Hailee Steinfeld), deren Vater kaltblütig von einem Gangster namens Tom Chaney (Josh Brolin) ermordet wurde. Dieser machte sich nach der Tat mit zwei Goldmünzen und einigen Pferden des Toten auf und davon.
Mattie, die für ihr Alter erstaunlich reif ist, sinnt auf eine gerechte Bestrafung für Chaney und erkundigt sich in der Stadt nach dem für die Aufgabe am besten geeignetsten Kopfgeldjäger. Nach drei Empfehlungen entscheidet sie sich für Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges), der ihr als der gnadenloseste und als Mann mit “True Grit“ beschrieben wurde …auch wenn dieser tierisch heruntergekommen und alt scheint. Nach anfänglichem Zögern seitens Cogburn kann die Verfolgung dann angetreten werden, der sich inzwischen auch der Texas Ranger La Boeuf (Matt Damon) angeschlossen hat, da Chaney zugleich für einen Mord in Texas gesucht wird. Ein Umstand der Mattie zunächst gar nicht schmeckt, da sie will, dass Chaney für den Mord an ihrem Vater seine gerechte Strafe erhält und nicht für irgendeinen anderen in Texas gehängt wird. Doch eine große Wahl hat sie nicht gerade, da der Texas Ranger als einziger die Bande Gesetzloser kennt, mit denen sich Chaney rumtreibt und Cogburn mit diesen Wäldern vertraut ist. So kommt es zwischen den drei Verfolgern immer wieder zu Reibereien, wobei die Differenzen der beiden Männer eher an ein Penisfecht-Duell oder einen Weitpinkel-Wettbewerb erinnern.
Jeff Bridges ist großartig! Wer ihn mal in THE BIG LEBOWSKI gesehen hat und dann Zeuge wurde, wie er sich abseits des Filmsets gibt, wird feststellen, dass Jeff Bridges tatsächlich der “Dude“ ist. Das fließt in etliche seiner Filme ein, weshalb er immer irgendwie ein Stück weit sich selbst spielt. So muss ein versoffener, heruntergekommener Typ aussehen und agieren und nicht so aalglatt und frisch geduscht, wie man es von John Wayne sah.
Matt Damon… buäh… ich mag den Kerl (das schließt nahezu alle seine Filme mit ein) überhaupt nicht und würde ihn auch eigentlich gerne als Fehlbesetzung bezeichnen wollen, aber ganz so unterirdisch spielt er diesmal dann doch nicht (puh, das kam mir jetzt ziemlich schwer über die Lippen bzw. Finger), obwohl man natürlich hätte versuchen können einen besseren zu finden (das wieder etwas leichter, hehe).
Am außergewöhnlichsten ist aber jemand anderes. Ich mag eigentlich keine Kinder und Kinder in Filmen hasse ich regelrecht, was hauptsächlich daran liegt, dass sie einfach nicht schauspielern können. Das ist jetzt zwar nicht unbedingt ihre Schuld, da sie einfach noch nicht… ach was soll’s… es IST ihre Schuld. Ha!
Hailee Steinfeld, die sogar noch jünger war als ihr Charakter im Film, spielt mit ihren 13 Jahren allerdings unglaublich gut (!³). Normalerweise bekommen Kinderdarsteller Dialoge in den Mund gelegt, die ein Kind so nie sagen würde (in den meisten Fällen nicht mal ein Erwachsener), um sie für ihr Alter schon recht reif wirken zu lassen, was in der Regel in die Hose geht, da das Gesprochene nicht anständig rüberkommt und zudem mit dem dazugehörigen Bild nicht wirklich Hand in Hand geht. Aber im Falle von Hailee Steinfeld kauf ich ihrer Filmfigur zu jedem Zeitpunkt ab, dass sie genau so reden würde. Im Prinzip habe ich mich Szene für Szene durch den Film gestaunt, ungläubig der Tatsache, wie grandios dieses kleine Mädel spielt. Jeder Satz wurde verschlungen und jedem weiteren Zusammenspiel zwischen ihr und Jeff Bridges entgegengesehnt. Wow.
Die großartige Gesamtleistung der Darsteller ist es, die diesen Film besonders macht, der in seiner Art sonst so klassisch wirkt wie der Westernfilm selbst. Da wird halt noch beim Reiten oder mitten in der Nacht auf große Entfernung geschossen (und getroffen), na und? Wenn ich mich recht entsinne, gibt es bisher nur einen Western, der dieses Thema so authentisch wie möglich anpackte und das war THE ASSASSINATION OF JESSE JAMES BY THE COWARD ROBERT FORD.
Klassisch ist TRUE GRIT auch, wenn es um die Dialoge geht, da diese ebenso größtenteils Wort für Wort vom Original übernommen wurden. Und so sind es tatsächlich nur die Schauspieler, der Stil, Witz (dezent) & Charme der Gebrüder Coen und die Atmosphäre, die diesen Film hervorstechen lassen, was vielleicht nach nicht viel klingen mag, aber erstaunlich intensiv wirkt. Ein weiteres Beispiel dafür, dass 2010 ein paar wunderbare Filme hervorgebracht hat und ein weiterer Kandidat für meine Liste der Oscar-Favoriten, die jetzt schon mehr Namen hat, als es Gewinner geben kann.
Wer etwas für Western übrig hat, sollte TRUE GRIT auf jeden Fall gucken, denn er wird Gefallen daran finden. Wer nichts für Western übrig hat… nun ja, dem könnte der Film eventuell dennoch zusagen. Sehen sollte man ihn so oder so... schon allein, weil er an den Kassen zu floppen scheint, was er definitiv nicht verdient hat.
Western sind nicht mein Fall, aber wer drauf steht wird sicher Gefallen an dem Film finden.
Ich hab mich eigentlich die ganze Zeit nur über Jeff Bridges’ Genuscheln amüsiert. Also da hat der Film auch einiges an Unterhaltungswert.