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Die Hunde jagen ihn durch seine Träume, mächtig, majestätisch, erbarmungslos. Mit mechanischen gelbleuchtenden Augen rennen sie durch die Nacht, auf ein Ziel zu, ohne Rücksicht auf Passanten oder andere Hindernisse, wie eine Lawine. Bis sie vor seinem Fenster stehen und nach ihm rufen. Und er weiß es, er weiß warum.
Er hat sie getötet. Alle 26. An jeden kann er sich genau erinnern. Hunde wittern dich als erstes, wenn du dich an einen Ort heranschleichst. Entweder du bringst sie zum Schweigen, oder alle wissen, dass du kommst. Er erschießt die Hunde; er soll es tun, da er schon keine Menschen erschießen kann.
Eine Geschichte von vielen. Als Ali Folman diese Geschichte hört, denkt auch er an seine Zeit beim Militär zurück. Das war in den frühen 1980ern und er war als israelischer Soldat im Libanonkrieg stationiert. Waltz with Bashir erzählt seine Geschichte und die seiner Kameraden. Er ist als erster dokumentarischer Animationsfilm in der Kategorie Best Foreign Language Film für den Oscar nominiert.
Es ist die Geschichte von den Hunden, die den gestandenen Filmemacher wieder mit der Vergangenheit konfrontieren, ihn nach Erinnerungen fragen lassen, ihn zu Kameraden von damals führen, um herauszufinden, was damals wirklich passiert ist. Sein größtes Problem dabei ist, dass er fast jegliche Erinnerung an diese Zeit verloren hat. Nur ein kurzer Moment scheint immer wieder auf, der auf das Massaker von Sabra und Schatila datiert ist. Doch was ist damals wirklich geschehen?
Der ‘Dokumentarfilm im Zeichentrickgewand’ zeigt sich hierbei erstaunlich ruhig, wodurch die kalte Gewalt des Dargestellten nur noch mehr schockiert. Hier wirkt Krieg nüchtern und real. Keine heroischen Krieger, die Heldentaten vollbringen und Volk und Vaterland retten, sondern naive Jungs, die mit Panzern durch malerische Gegenden fahren und mit Maschinengewehren auf etwas feuern, von dem sie selbst nicht wissen, was es ist. Um einen kleinen Eindruck zu gewinnen hier ein trockener Dialog:
Anonymous soldier: What to do? What to do? why don't you tell us what to do?
Ari Folman: Shoot!
Anonymous soldier: On who?
Ari Folman: How should I know on who? just shoot!
Anonymous soldier: Isn't it better to pray?
Ari Folman: Pray and shoot!
Waltz with Bashir beschönigt nichts, Gewalt wird nicht unnötig ästhetisiert oder emotionalisiert, sondern ist auf stumme Art und Weise allgegenwärtig. Als Rezipient wird man nicht von Emotionssalven erschüttert, sondern verfängt sich langsam in ein starkes Geflecht von Bedrückung. Auch wenn die Bilder animiert sein mögen, so wirken sie doch realer als andere bekannte Kriegsrealverfilmungen. Die Handlung wechselt zwischen Zeitzeugeninterviews, Erinnerungen und Traumsequenzen. Stück für Stück wird so die Vergangenheit rekonstruiert, bis sich ein reales Bild vom Schrecken ergibt - im wahrsten Sinne des Wortes. Schützt einen die gezeichnet wirkende Animation bis zum Ende wie ein Schleier vor der erahnten Grausamkeit, so endet der Film doch mit realen dokumentarischen Aufnahmen des Massakers. Und schafft so endgültig einen mehr als bleibenden Eindruck.
Der Filmtitel bezieht sich auf den christlich-maronitischen Milizenführer Bashir Gemayel, dessen Ermordung das Massaker von Sabra und Schatila rächen sollte. Den Walzer beschreibt hierbei den ‘Tanz’ eines Soldaten mit dem Maschinengewehr, der auf surreale Weise ästhetisch im Kriegsgefecht wie in Trance von statten geht. Das Gefühl des Films ist zeitlos. Es geht nicht um die Spezifik dieses Krieges: Die überforderte Unfähigkeit und Befehlstreue der jungen Männer, die aus eigener Angst auf alles schießen, was sich bewegt, lässt sich auf jeden Krieg übertragen. Selbsttherapie und Warnung gehen hier Hand in Hand in surrealer Realität an Grausamkeit, die einen benommen und lähmend in den Kinosessel zurück entlässt, mit der Frage wie viel Schuld ein Mensch (er)tragen kann.
Flammenzeichnung schrieb am 16.02.2009, 10:47 Uhr:
Taake schrieb am 16.02.2009, 8:32 Uhr:
Persepolis? Der ist auch nicht schlecht.
Ja, der ist auch gut. Arbeitet aber mehr mit Humor, ist also definitv leichtere Kost.
ja, persepolis heißt er. ich glaub das "leichtere kost" bezieht sich nur auf die erzählart, aber nicht auf den inhalt, oder?
aber egal, mir geht es eigentlich eher um den "fremden blick" auf ereignisse, die in unseren medien jeden tag eine rolle spielen - aber wo man nie sicher sein kann, die ganze wahrheit zu erfahren (die es wohl eh nicht gibt)
noli_me_tangere schrieb am 16.02.2009, 2:14 Uhr:
oh über den hab ich schon viel gehört, den muss ich noch dringend angucken. und gleich danach oder davor diesen iranischen zeichentrickfilm, von dem man auch so viel hört...
Persepolis? Der ist auch nicht schlecht.
Ja, der ist auch gut. Arbeitet aber mehr mit Humor, ist also definitv leichtere Kost.
noli_me_tangere schrieb am 16.02.2009, 2:14 Uhr:
oh über den hab ich schon viel gehört, den muss ich noch dringend angucken. und gleich danach oder davor diesen iranischen zeichentrickfilm, von dem man auch so viel hört...
oh über den hab ich schon viel gehört, den muss ich noch dringend angucken. und gleich danach oder davor diesen iranischen zeichentrickfilm, von dem man auch so viel hört...
1. Du hättest das mit den realen Szenen am Ende nicht erwähnen sollen, gerade die geben den Film ein zu beklemmendes Ende.
2. Du hättest den großartigen Soundtrack ruhig erwähnen können, welcher auch viel zur Atmosphäre des Filmes beiträgt und auch ohne diesen jeden nur ans Herz gelegt werden kann.
8 Punkte hingegen halte ich für vollkommen gerechtfertigt, entsprechend gibt es diese auch von mir.