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Autorbewertung: 9 von 10 möglichen Punkten
Userbewertung: 5 von 10 möglichen Punkten bei 2 gegebenen Stimmen.

Titel: The Path
Hersteller: Tell of Tales
Preis: 9,99 $
Anforderungen: Windows XP oder Vista
2 Ghz CPU
1 GB RAM
256 MB VRAM
Radeon oder Geforce Grafikkarte mit x6xx Prozessor
Ich würde zu deutlich mehr Rechenpower raten!
Genre: Software
USK: -
Demo: store.steampowered.com/app/27040/
24.05.2009, 21:47 Uhr, von
noli_me_tangere  Administrator     
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 Was ist das hier eigentlich? Ein „Nicht-Spiel“, wie es der Kulturspiegel in seiner Rezension schreibt? „Interaktive Kunst“, wie es in den Kommentaren zum Youtube-Trailer zu lesen ist? Oder eben doch ein ganz normales Computerspiel, was nach dem Besuch der Herstellerwebsite nahe liegt? In jedem Fall ist „The Path“ etwas Besonderes, etwas anders als die gewohnte Software.
Die Story ist recht schnell erzählt: Sechs Schwestern sitzen in einem Zimmer in der großen Stadt und werden eine nach der anderen zur Großmutter geschickt, die tief im Wald wohnt – wer an Rotkäppchen denkt, liegt nicht falsch. Das Programm startet, indem man eine der Schwestern auswählt. Danach findet man sich am Beginn des Paths, des Pfades, der zum Haus der Großmutter führt. Und man bekommt noch einen guten Rat mit auf den Weg, oder eher schon einen Befehl: „Stay on the path! – Bleibe auf dem Pfad!“ Dies ist die einzige Regel im Programm, zumindest die einzige erkennbare. In 3rd-Person-Perspektive kann man nun den Pfad entlang laufen…
Doch wer das tut, wird nicht viel Freude an The Path haben. Denn schnell erreicht er das Haus der Großmutter und das Spiel ist beendet: Das Brechen der Regel ist Teil des Konzepts. Also biegt man am besten schnell in den Wald ab und sofort findet man sich in einer wundervollen Welt voller Geheimnisse und Wunder wieder, die es nun nach und nach zu entdecken gilt.
Die Steuerung verdient dabei einer besonderen Erwähnung. Es gibt nur vor, links und rechts, außerdem kann man noch rennen. Eine Zurück-Taste ist nicht vorgesehen und auch das ist Teil des Konzepts. Besonders spannend aber ist die Art, wie die Figur mit anderen Figuren oder speziellen Bereichen des Waldes interagiert: Der Mensch vorm Computer muss die Kontrolle aufgeben – erst wenn er nichts mehr tut, wird die Figur aktiv und pflückt Blumen, sammelt Gegenstände oder reagiert auf andere Personen. Überraschend ist auch der Effekt, dass man beim Rennen weit weniger vom Wald wahrnimmt, als wenn man ruhig durch ihn hindurchgeht. Bestimmte interaktive Zonen können so einfach übersehen werden. Auch das passt ins Konzept: Man muss sich Zeit nehmen für The Path.
Atmosphärisch ist das Programm sehr dicht: Ist der Pfad selbst noch bunt und die Sonne scheint, so ist es im Wald düster, zwielichtig und – schwarzweiß. Die Figuren im Wald sind zwielichtig und in jedem Fall nie das, was sie zu sein scheinen. Nebelfäden wallen zwischen den Bäumen, hin und wieder blitzt etwas in der Ferne auf, nur um beim genaueren Hinsehen wieder zu verschwinden. Unterstützt wird die beunruhigende Atmosphäre noch durch scheinbar willkürliche Einblendungen von Symbolen und Bildern, die transparent kaum wahrnehmbar über den Bildschirm huschen.
Der geniale Soundtrack stammt von Jarboe. Jarboe war der weibliche Part der Swans, einer sehr experimentierfreudigen frühen Industrial-Band (im weitesten Sinne). Nach bzw. neben den Swans gab es noch mit Swans-Frontmann Michael Gira das Projekt Skin, das – im deutlichen Gegensatz zu den Swans – sehr melodiös und mit Klavierbegleitung daherkam. Gemeinsam war beiden Projekten eine sehr düstere Grundstimmung. Nach den Swans gab es einiges von Jarboe solo zu hören, was aber fast alle musikalischen Bereiche abdeckt.
Die Musik in The Path plätschert scheinbar nur im Hintergrund, doch trägt sie ganz entscheidend zur Stimmung bei. Das liegt auch daran, dass sie sich mit den Aktionen der Hauptfigur leicht ändert, kaum wahrnehmbar.
Ein großer Wermutstropfen sind die technischen Anforderungen an die Hardware. Auf meinem vier Jahre alten Bürorechner bekam ich das Spiel gar nicht zum Laufen, trotz 3D-Grafikkarte und 1 GB Hauptspeicher. Auf dem zwei Jahre alten Laptop kann ich das Spiel nur in der allergröbsten Auflösung spielen – was den optischen Genuss leider sehr stark einschränkt.
Also was ist The Path, ist es Spiel oder Kunst? In jedem Fall ist es kein „Nicht-Spiel“, wie der Kulturspiegel schreibt, denn am Ende gibt es eine Auswertung der erreichten Ziele und aufgedeckten geheimen Orte und sogar eine abschließende Bewertung. Das spricht klar für ein Spiel. Allerdings gibt es auch keine klare Aufgabe, keine fertigen Handlungsstränge. Und oft muss der Spieler gerade das Spielen sein lassen, damit es mit der Handlung vorangeht.
Letztlich ist auch ganz egal, was es ist. Man muss sich in jedem Fall auf The Path einlassen, muss in den Wald ganz eintauchen und den Alltag hinter sich lassen. Wem das gelingt, den erwartet ein ganz besonderes Erlebnis.
Das Spiel kann man direkt beim Hersteller www.tale-of-tales.com kaufen
Anmerkung der Redaktion:
Trailer: www.youtube.com/watch?v=fEI9a2nedEs
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