|
Autorbewertung: 8 von 10 möglichen Punkten
Bisher hat noch kein User eine Bewertung vergeben.

Titel: Das Prometheus Trio: Die Invasion
Verfasser: Müller, Andreas
Datum: Oktober 2009
Genre: Jugendbuch/ SF und Fantasy und Aufklärung
Preis: 14,00 €
ISBN: 3865690513

25.07.2010, 13:28 Uhr, von
Winterkind     
|
Wir schreiben das dritte Jahrtausend nach Christus. Ganz Europa hat das Zeitalter der Aufklärung unbeschadet und ohne größere Rückstände hinter sich gelassen (abgesehen von Industrieanlagen, Kriegsschäden und einigen lebensverlängernden Einrichtungen). – Ganz Europa? Nein! Eine kleine Mittelstadt in der Bayrischen Provinz ("Hirtenstadt") wird nicht müde, den geistigen Fortschritt zu ignorieren wo irgend sie kann. Zum Beispiel die zwischen den Schlesischen Kriegen vom Alten Fritz heimlich gebaute Bibliothek, die die meisten Bewohner nicht mal wahrnehmen können (,was sich später noch als Glücksfall herausstellt). Und aus Kostengründen mußte sie dann auch noch
geschlossen werden...
Ich hatte ja schon die Ehre, Terry Rotter und der Stein des Anstoßes, vom selben Autor, zu besprechen . Damals hatte ich behauptet, uns stehe ein deutscher Terry Prattchet ins Haus. Was jetzt zu überprüfen wäre.
Allgemeines
Wir haben es mit einem „Jugendbuch ab 16“ zu tun, was weder an den gewalttätigen, noch an den pornografischen Passagen liegt, da für Bücher keine rechtswirksamen Alterbeschränktheiten existieren. Vielmehr handelt es sich um eine Empfehlung des Autors in Hinblick auf die nicht gaaaaaaanz einfachen sachthematischen Exkurse. Andererseits werden die wichtigsten diesbezüglichen Begriffe in einem nicht wirklich unparteiischen, angehängten Glossar erklärt. Naja, vielleicht geht es dabei auch bloß um die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Fiktion und Realität (sonst baut noch wirklich ein begabtes Kind MiniNukes...). Es wird nicht an Religionskritik gespart, bspw. anhand der Unterschiede zwischen Lutheranern und Papisten, wobei der arme Calvin leider vor der Tür bleiben muß. Nett ist der kleine nebenbei laufende Grundkurs zu philosophischen und naturwissenschaftlichen Methoden.
Angenehm unglatt geht das surrealistische Artwork von Helge Nyncke ein.
<Spoiler>
Besonderheiten
Jaaaaa, die Sache mit Terry Prattchett...ist nicht so ganz einfach zu beantworten. Das Potential an Gemeinheiten gegen Religion im allgemeinen ist wesentlich höher als in den Scheibenwelt-Romanen und eher mit den Rundwelt-Kooperationen vergleichbar. Was man natürlich auf zweierlei zurückführen kann: Einmal ist Müller sehr entschieden antitheistisch eingestellt, hat daraus nie einen Hehl gemacht und warum sollte er seinem Protagonisten den Mund verbieten? Und dann die Sache mit dem Prädikat „Jugendbuch“. Es erscheint nahe liegend, daß speziell die anvisierte jüngere Leserschaft mit vereinfachten schwarz/weiß-Schemata besser zurechtkommt; bzw. eher nicht mit sublimeren Gemeinheiten zurechtkommt, weshalb es angebracht ist, klare Aussagen zu machen, zumal wir uns ja nicht auf der Scheibenwelt befinden, wo man mitunter froh sein kann, wenn ein Gott einen noch nicht wahrgenommen hat, und durch Claras Einwürfe auch eine gemäßigte Position immerhin präsent ist.
Die Frage wird erstmal vertagt.
Ich fasse dieses Buch als Einladung zum Gespräch auf und empfehle es auch in diesem Sinne weiter. Alle drei Hauptcharaktere bieten Identifikationspotential, unbeschadet Johns leicht überproportionaler argumentativer Unterfütterung, und man kann jede der von ihnen eingenommenen Positionen probeweise einnehmen um zu schauen, was passiert. Insofern eigentlich auch als Schullektüre geeignet (Deutsch, LER, Philosophie, Religion, kreatives Schreiben).
Das Fazit
Stringent und übersichtlich erzählt, führt uns die Geschichte in die Lebenswelt dreier recht eigener, aber auf die eine oder andere Art sympathischer Jugendlicher ein, die vom Schicksal eines seltsamen Zufalls zum Prometheus-Trio werden, das hoffentlich auch in folgenden Bänden der (geplanten) Reihe die Menschheit vor sich selbst rettet. Liebevoll begleitet von Nynckes Zeichnungen und Kapitel-Motti von Jean Tee (der früher mal Bill Tür hieß). Unterhaltsam und auch für „Erwachsene“ geeignet.
8 Punkte (2 Plus, z.B. ein Malus für den noch nicht ganz eingelösten Antidogmatismus (etwa in Sachen Pärchenfrage)
Bruta Facta (die nicht in der Randspalte stehen):
Blog des Autors: http://feuerbringer.com
WebSite des Verlages: www.alibri.de
ca. 165 Seiten
Essay zur Religionskritik hier
|